Ausdrucksvolle Gesichter malen: Mein Erstkontakt mit Glazing

In der vergangenen Woche habe ich etwas Neues ausprobiert. Ich habe mich an die Bemalung ausdrucksvoller Gesichter mit Hilfe von Glazing herangewagt. Doch nicht ganz alleine, sondern unter professioneller Anleitung.

Aber der Reihe nach. In den vergangenen Jahren habe ich einige Miniaturen bemalt und dabei natürlich auch deren Gesichter. Dabei habe ich mir mal mehr und mal weniger Mühe gegeben. Aber es blieb immer die Frage im Raum, ob da nicht noch mehr geht. Und diese Augen! Da gibt es bestimmt eine Technik, mit der man die ganz einfach malen kann.

Also habe ich mich aus meiner Komfortzone herausgewagt. Im lokalen Tabletop-Store, dem Top Tables in der Kölner Innenstadt, habe ich einen Malkurs für ausdrucksvolle Gesichter besucht. Der Kurs fand unter der Leitung von Tobi statt, der den Bemalservice „Bristle and Broadsword“ betreibt.

Im Kurs ging es darum, das Gesicht einer Büste von ca. 6 cm Höhe zu bemalen, wobei allein das Gesicht fast so groß war wie eine komplette Mini im 28-mm-Maßstab. Dies bot jedoch genug Platz, die Maltechnik des Glazing zu erlernen. Dabei geht es im Grunde darum, mit einer möglichst dünnen Farbschicht einen weichen Übergang zwischen hellen und dunklen Fläche zu schaffen. Das Ergebnis ist im Idealfall ein sehr natürlich wirkender Farbeffekt. Die Acrylfarbe wird dabei mit einem Glazing-Medium (beispielsweise von Vallejo) und Wasser verdünnt.

Bei unserer Büste handelt es sich um einen Charakter names VI. Die Dame ist aus dem Spiel „League of Legends“ beziehungsweise der Netflix-Serie „Arcane“ bekannt. Grundlage für die Bemalung war auch hier eine Grundierung mit schwarzem Lack, versehen mit einem zenitalen Highlight. Gerade in dieser Größe hilft das Highlighten ungemein, die Lichteffekte zwischen hell und dunkel zu verstärken.

Zunächst wurde ein mittlerer Hautton als Grundfarbe aufgetragen. Im nächsten Schritt wurden mit einem Braunton die Schatten an Haaransatz, Nase, Augen und Hals gezogen. Umgekehrt wurden dann die hellsten Stellen wie Nasenspitze, Kinn und Wangenknochen mit einem hellen Hautton herausgestellt. Hiervon habe ich leider kein Foto gemacht.

Dann begann das Glazing. Mit dem mittleren Hautton wurde ein Glaze angemischt und von den mittleren Flächen zu den dunklen Schatten gezogen. Anschließend wurde mit dem hellen Hautton ein Glaze angemischt und von den mittleren Flächen zu den hellen Stellen (Nase, Kinn, Wangen) gezogen. Beide Glazes wurden in vier bis fünf Schichten aufgetragen, da ein Glaze nur sehr wenig deckt. Für einen guten Effekt braucht es daher mehrere Schichten.

Augen und Lippen waren im nächsten Schritt dran. Die Augäpfel wurde weiß gemalt und mit einem stark verdünnten braunen Wash getönt. Dann wurde die Iris dunkelblau und – im inneren – mit hellblau gemalt. Es folgte ein schwarzer Punkt als Pupille. Für die Lippen wurde ein mildes Rosa verwendet. Dieses Rosa wurde mit dem hellen Hautton gemischt und daraus ein Glaze erstellt, um die Lippen aufzuhellen.

Zum Schluss folgten dann Details wie Augenbrauen, das Tattoo auf der Wange und die Haare. Hier wurde wieder ganz klassisch mit Grundfarbe, Wash und Trockenbürsten vorgegangen.

Das letzte Bild zeigt den Stand nach ca. 5 Stunden Workshop. Was habe ich daraus mitgenommen? Glazing ist eine tolle Technik, um auf großen Flächen weiche und natürliche Farbübergänge zu schaffen. Allerdings braucht es auch hier einiges an Übung, bevor die Ergebnisse gut sind. Beispielsweise habe ich meine Glazes nicht richtig angemischt, sodass teilweise ein grisseliger Effekt entsteht. Die Technik ist recht zeitintensiv und daher sicher nichts, was ich auf einer 28-mm-Mini für den Spieltisch anwenden würde. Das Ausprobieren und Experimentieren hat mir auf jeden Fall viel Spaß gemacht und irgendwann mal wird die Büste bestimmt auch fertig. Wirklich, ehrlich, versprochen!

2 Kommentare zu „Ausdrucksvolle Gesichter malen: Mein Erstkontakt mit Glazing

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